Armes Schwein? Dummes Huhn?
Projekt „Mitgeschöpflichkeit“ in der ev.-luth. Kirchengemeinde Osternburg
Tiere sind neben Pflanzen und der unbelebten Natur Teil der Schöpfung Gottes, die dem Menschen zur bewahrenden Verwaltung anvertraut worden ist (Gen. 2, 15).
Das bedeutet, dass Tiere Mitgeschöpfe sind und nicht als Sachen oder Produkte angesehen und behandelt werden dürfen, wie es heute vielfach geschieht. Zwar ist es dem Menschen erlaubt, Tiere und ihre Bestandteile zu nutzen und sie dazu nötigenfalls auch zu töten. Als Geschöpfe Gottes unterliegen sie jedoch der besonderen Verantwortung des Menschen und dürfen nicht hemmungslos ausgebeutet und wie unbelebte Sachen benutzt werden.
Der Begriff des Mitgeschöpfes ist im kirchlichen Bereich geprägt und in gesetzliche Vorschriften unseres Landes und zahlreiche Verlautbarungen der großen christlichen Kirchen in Deutschland übernommen worden. die Mitgeschöpflichkeit konkret zu leben ist damit in besonderem Maße Aufgabe der Christen und dmit unserer Kirche
Im März 2008 hat daher der Gemeindekirchenrat (GKR) Osternburg beschlossen, dass bei Veranstaltungen der Gemeinde nur noch Produkte tierischer Herkunft aus Beständen mit artgerechter Tierhaltung verwendet werden sollen. Dies bezieht sich auf alle Veranstaltungen wie Gemeindefeste, Kochgruppen etc., außerdem auf die Angebote in den Kindertagesstätten (Kitas), die mit ca. 250 Essen/Tag eine bedeu-tende Größe in dieser Hinsicht darstellen. In Ankündigungen und Darstellung unserer Gemeinde soll die Verwendung von tierischen Produkten aus artgerechter Haltung deutlich erkennbar herausgehoben sein.
Die vom GKR beauftragte Arbeitsgruppe hat seitdem in Zucht- und Mastbetrieben, bei bäuerlichen Direktvermarktern und zahlreichen anderen Quellen recherchiert. Es wird mittelfristig angestrebt, den Beschluss endgültig in einem regionalen Verbund von Züchtern, Mästern, Schlachtstätten und Verarbeitungsbetrieben umzusetzen. Bis dies realisiert werden kann, werden Produkte aus artgerechter Haltung über den Verein Neuland (Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung e.V.) bezogen, der Tier- und Artengerechtigkeit hinsichtlich der Zucht und Mast von landwirtschaftli-chen Nutztieren gewährleistet.
In einem einmonatigen Projekt, das in Zusammenarbeit mit Erzieherinnen der Kitas und der Cateringfirma unter Zuziehen einer Ernährungsberaterin erarbeitet und im April dieses Jahres durchgeführt wurde, hat ein Probelauf mit Neulandprodukten in den Kitas stattgefunden. Die Auswertung des Monats zeigt, dass die Resonanz der Elternschaft sowie die Annahme der Essen durch die Kinder positiv war. Allerdings stellte sich heraus, dass die Darreichungsform, welche die Akzeptanz der Essen durch die Kinder bestimmt, überdacht werden muss.
In seiner Sitzung am 4. August 2010 hat der Gemeindekirchenrat beschlossen, den Beschluss vom 4. März 2008, bei gemeindlichen Veranstaltungen seitens der Kirchengemeinde ausschließlich Fleisch und Eier aus artgerechter Haltung zu verwenden, außer für Essen in den Kindertagesstätten unverzüglich umzusetzen. Die Umstellung auf Produkte aus artgerechter Haltung in den Kindertagesstätten soll erfolgen, wenn der Kostenfaktor geklärt ist. Dazu sind verschiedene Vorhaben, wie Gespräche mit der Stadt Oldenburg, Überlegungen zu Sponsorengewinnung etc. geplant.
Im Januar wurde das Projekt anlässlich des Neujahresempfanges des Kreiskirchenrates einem breiten Publikum vorgestellt. Ziel ist es, weitere Gemeinden zu gewinnen, die das Prinzip der Mitgeschöpflichkeit übernehmen und konkret im Alltag umsetzen.

